"Verhältnisse" ist ein sehr guter und sehenswerter Film, der gestern Abend im ausverkauften Cinestar-Kino in Saarbrücken seine Uraufführung feierte.
Etwa 200 Besucher waren bei dieser Weltpremiere dabei. Darunter waren auch Stars, die nichts mit diesem Film zu tun hatten, sondern bei anderen Filmen auf dem Saarbrücker Filmfestival mitwirkten, wie etwa Schauspielerin Anna-Maria Mühe.
In "Verhältnisse" hat Coco - kurz umschrieben - eine Rolle, die der in "Liebeslied" nicht ganz unähnlich ist, nämlich die einer treu-sorgenden Mutter sowie die einer Frau, die sich Sorgen um den Zusammenhalt ihrer Ehe macht. Schließlich hat ihr Mann (Devid Stiesow, Hauptdarsteller im "Herz") gewaltige finanzielle Problem mit seiner Architekten-Büro und betrügt nebenbei seine Frau.
Der Film ist stellenweise sehr spannend und hat einige Wendungen, mit denen man als Otto-Normal-Kinobesucher nicht unbedingt rechnet. Andererseits weiß man freilich nie, wie die Bilder von der (sehr großen) Kinoleinwand später bei der TV-Premiere Anfang April auf dem kleinen Bildschirm ankommen (Fotos vom Film gibt's übrigens auf der Seite von
hr-online, ganz unten).
Außerdem kommen einem während des Films immer wieder die folgenden Gedanken, die mir auch bei "Liebeslied" durch den Kopf geschossen sind: Nämlich dass Coco eben meist die Rollen übernehmen "muss", die man von einer Frau in der Gesellschaft erwartet. Also eben die der Mutter und Ehefrau.
Aber warum gibt es eigentlich keinen Filmemacher oder Drehbuchautor, der eine Rolle wie die des männlichen Hauptakteurs in "Verhältnisse" mit einer
"emotionalen Achterbahnfahrt" (wie Striesow es auf der Premiere selbst nannte) auch mal für eine Frau schreibt? Also im Film zur Abwechslung mal eine Frau im Vordergrund steht, die als Chefin einer bankrotten Firma um ihr berufliches und privates Überleben kämpfen muss? Coco selbst hat zwar ähnliches im "Herz" mit Nina Hoss gemacht, gerne würde man aber sehen, dass sie selbst mal in so eine Hauptrolle schlüpft und dabei endlich wieder groß rauskommt.
Im Gegensatz zu ihrem Regisseur, nahezu der gesamten, etwa 40-köpfigen Crew sowie den Schauspielern Devid Striesow sowie Andreas Windhuis war Coco - erwartungsgemäß - nicht auf der Weltpremiere in Saarbrücken.
Aber genau genommen habe ich bei meinen Besuchen auf dem Max-Ophüls-Filmfestival in den letzten Jahren NOCH NIE eines "unserer" Mädels angetroffen, weder JT bei der Deutschlandpremiere von "Nogo" (2002), noch KR bei der Uraufführung ihres Kinofilms "Up, up, to the Sky" (2008).
Ist aber auch sonnenklar: Die kulturell unheimlich anspruchsvolle Fashion-Week, die zum gleichen Zeitpunkt in der Hauptstadt-Metropole veranstaltet wird, ist für Berliner Filmschaffende schließlich viel bedeutender als ein Filmfestival in der weit abgelegenen Provinz...

